39NiCrMo3: Technische Daten Stahl
39NiCrMo3 (1.6510, EN 10083-3:2006 (zurückgezogen)) ist ein mit Nickel, Chrom und Molybdän legierter Vergütungsstahl für schwing- und torsionsbeanspruchte Bauteile: gute Härtbarkeit und ein ausgewogenes Verhältnis von Festigkeit und Zähigkeit nach dem Vergüten, für Antriebswellen, Kurbelwellen, Zahnräder und Bolzen.
01Stahl 39NiCrMo3: allgemeine Merkmale
Stahl 39NiCrMo3 (Werkstoffnummer 1.6510, EN 10083-3:2006 (zurückgezogen)) ist ein mit Nickel, Chrom und Molybdän legierter Vergütungsstahl, der im vergüteten Zustand (+QT) für schwing- und torsionsbeanspruchte Bauteile eingesetzt wird: Antriebswellen, Kurbelwellen, Zahnräder, Bolzen und Pleuel.
Die Legierung - C 0,35-0,43 %, Ni 0,70-1,00 %, Cr 0,60-1,00 %, Mo 0,15-0,25 % - bietet gute Härtbarkeit und ein ausgewogenes Verhältnis von Festigkeit und Zähigkeit: nach dem Vergüten erreicht der Stahl Rm 980-1180 MPa bei Querschnitten bis 16 mm, mit abnehmenden Werten bei größerem Durchmesser. Gegenüber einem unlegierten Vergütungsstahl wie C45 bleiben die Eigenschaften über mittlere bis große Querschnitte gleichmäßiger. Zu berücksichtigen sind allerdings die eingeschränkte Schweißeignung und die Neigung zur Anlassversprödung, die bei der Wärmebehandlung beherrscht werden müssen. Genormt ist der Stahl in EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) (warmgewalzte Erzeugnisse) und in EN 10277-5:2008 (zurückgezogen) (Blankstahlerzeugnisse).
Das Verhältnis von Kohlenstoff zu Legierungselementen macht den 39NiCrMo3 zur üblichen Wahl, wenn ein C45 über den Querschnitt keine ausreichende Härtbarkeit sichert, die Legierungsgehalte eines 42CrMo4 aber nicht erforderlich sind. Der Stahl gehört zur Familie der Vergütungsstähle und ist in den Lieferzuständen +N, +A und +QT lieferbar. Verfügbare Abmessungen, Bearbeitungen und Angebot: 39NiCrMo3 - Produkte und Angebotsanfrage.
02Chemische Zusammensetzung des 39NiCrMo3
Die chemische Zusammensetzung des 39NiCrMo3 ist in EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) für die Werkstoffnummer 1.6510 festgelegt. Es handelt sich um einen Ni-Cr-Mo-legierten Stahl mit mittlerem Kohlenstoffgehalt: Der Kohlenstoff sorgt für die Aufhärtbarkeit und für die Härte nach dem Anlassen; Nickel, Chrom und Molybdän steuern dagegen Härtbarkeit und Zähigkeit.
2.1Tabelle der chemischen Zusammensetzung
Die von EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) vorgeschriebenen Gehalte (Schmelzenanalyse) sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.
| Element | Symbol | Massenanteil in % (EN 10083-3:2006 (zurückgezogen)) |
|---|---|---|
| Kohlenstoff | C | 0,35 - 0,43 |
| Silicium | Si | ≤ 0,40 |
| Mangan | Mn | 0,50 - 0,80 |
| Phosphor | P | ≤ 0,025 |
| Schwefel | S | ≤ 0,035 |
| Chrom | Cr | 0,60 - 1,00 |
| Molybdän | Mo | 0,15 - 0,25 |
| Nickel | Ni | 0,70 - 1,00 |
2.2Rolle der Legierungselemente
Nickel erhöht die Zähigkeit und senkt die Übergangstemperatur vom zähen zum spröden Bruch. Chrom steigert Härtbarkeit und Verschleißwiderstand. Molybdän verbessert die Anlassbeständigkeit und wirkt der für diese Stahlfamilie typischen Anlassversprödung entgegen, ohne sie vollständig zu beseitigen. Das Mangan wirkt nicht nur desoxidierend, es bindet den Schwefel als Mangansulfid (MnS) und hält damit den Rotbruch in Grenzen. Silicium desoxidiert ebenfalls und trägt zur Festigkeit bei. Auf Anfrage ist die Sorte mit Calciumbehandlung (Ca) lieferbar, die die Quereigenschaften verbessert, oder in den Varianten mit verbesserter Zerspanbarkeit - bleihaltig (Pb 0,15-0,35 %) oder mit kontrolliertem Schwefelgehalt (S 0,020-0,040 %).
2.3Begrenzung der Begleitelemente
Die EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) begrenzt die schädlichen Begleitelemente, um die Zähigkeit zu sichern: Phosphor liegt bei höchstens 0,025 % (Vorbeugung gegen Kaltbrüchigkeit und Seigerungen), Schwefel bei höchstens 0,035 % (Begrenzung der Einschlüsse, die die Querzähigkeit mindern). Zugunsten der Zerspanbarkeit wird der Schwefel in den entsprechenden Varianten dagegen bewusst in einem kontrollierten Fenster angehoben (0,020-0,040 %). Die Wahl zwischen der „reinen“ Variante und der Variante mit kontrolliertem Schwefelgehalt richtet sich nach dem geforderten Kompromiss zwischen Querzähigkeit und Zerspanbarkeit auf der Werkzeugmaschine.
2.4Zulässige Abweichungen der Stückanalyse
Die EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) lässt Abweichungen der Stückanalyse von der Schmelzenanalyse zu, als Richtwerte C ±0,02 %, Mn ±0,04 %, Cr ±0,05 %, Ni ±0,05 %, Mo ±0,03 %. Es handelt sich nicht um Fertigungstoleranzen des Stahlwerks, sondern um die normativen Grenzen, innerhalb derer die Analyse am Fertigerzeugnis von der Schmelzenanalyse abweichen darf. Für die Konformität des mill test certificate (MTC) nach EN 10204 (Prüfbescheinigung 2.1 oder 3.1) ist das ein maßgeblicher Parameter.
03Mechanische Eigenschaften des 39NiCrMo3 im vergüteten Zustand (+QT)
Die mechanischen Eigenschaften des 39NiCrMo3 hängen vom Abmessungsbereich ab: Die in EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) vorgeschriebenen Werte gelten für den angegebenen maßgebenden Querschnitt und nehmen mit steigendem Durchmesser oder steigender Dicke ab, weil die Abschreckwirkung im Kern geringer ausfällt. Die Werte beziehen sich auf die Längsprobe, bei 20 °C, im Zustand +QT.
3.1Mechanische Eigenschaften nach Abmessungsbereich
| Maßgebender Querschnitt d / t (mm) | Rp0,2 min (MPa) | Rm (MPa) | A% min | Z% min | KV min (J) | HB (Richtwert) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| d ≤ 16 (t ≤ 8) | 785 | 980 - 1180 | 11 | 40 | - | 295 - 354 |
| 16 < d ≤ 40 (8 < t ≤ 20) | 735 | 930 - 1130 | 11 | 40 | 35 | 278 - 339 |
| 40 < d ≤ 100 (20 < t ≤ 60) | 685 | 880 - 1080 | 12 | 45 | 40 | 263 - 327 |
| 100 < d ≤ 160 (60 < t ≤ 100) | 635 | 830 - 980 | 12 | 50 | 40 | 249 - 295 |
| 160 < d ≤ 250 (100 < t ≤ 160) | 540 | 740 - 880 | 13 | 50 | 40 | 224 - 263 |
Hinweis: Die Werte gelten für warmgewalzte Erzeugnisse im Zustand +QT nach EN 10083-3:2006 (zurückgezogen), bis zu einem maßgebenden Querschnitt von 250 mm. Für größere Querschnitte (Schmiedeteile) liegen nur Richtwerte vor (vgl. UNI 7874); sie sind bei der Bestellung zu vereinbaren. Die EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) schreibt für den Zustand +QT Rm, Rp0,2, A, Z und KV vor. Die Brinellhärte gehört nicht zu den Anforderungen an +QT, sondern ist als Höchstwert für den geglühten Zustand +A festgelegt. Die HB-Werte der Tabelle sind Richtwerte, die über die Korrelation mit Rm abgeleitet sind.
3.2Härte und elastische Kennwerte
Im geglühten Zustand (+A) ist die Härte auf einen von der Norm vorgeschriebenen Höchstwert begrenzt, in der Größenordnung von etwa 248 HB. Im vergüteten Zustand richtet sich die Härte nach dem Abmessungsbereich, entsprechend der Korrelation mit Rm in der vorhergehenden Tabelle. Der Elastizitätsmodul beträgt E ≈ 210 GPa, der Schubmodul G ≈ 81 GPa; die Dichte liegt bei ≈ 7,85 kg/dm³ (= 7,85 g/cm³) und damit im typischen Bereich legierter Ni-Cr-Mo-Stähle. Diese Kennwerte sichern die Steifigkeit und die Maßhaltigkeit, die beanspruchte Bauteile verlangen.
3.3Schwingfestigkeit und Zähigkeit
Gute Durchhärtung und hohe Zähigkeit machen den 39NiCrMo3 für zyklisch beanspruchte Bauteile geeignet. Die vorgeschriebene Kerbschlagarbeit KV beträgt ≥ 35-40 J (Längsprobe, bei 20 °C) für Querschnitte über 16 mm. Das tatsächliche Verhalten unter Schwingbeanspruchung hängt jedoch nicht allein vom Werkstoff ab: Oberflächengüte, Eigenspannungen und die gewählte Anlasstemperatur wirken entscheidend mit und sind auf das einzelne Bauteil zu beziehen. Ein hohes Anlassen (≥ 550 °C) begünstigt die Zähigkeit, ein niedrigeres die Festigkeit.
04Physikalische Eigenschaften des 39NiCrMo3
Die physikalischen Daten sind Auslegungsgrößen für die Berechnung von Wärmedehnungen, Steifigkeiten und thermischen Zyklen. Wo nichts anderes angegeben ist, handelt es sich um typische Werte für legierte Ni-Cr-Mo-Stähle; bei kritischen Berechnungen sind sie über das Werkstoffdatenblatt des liefernden Stahlwerks zu bestätigen.
4.1Dichte und elastische Kennwerte
| Eigenschaft | Typischer Wert |
|---|---|
| Dichte | ≈ 7,85 kg/dm³ |
| Elastizitätsmodul (E) | ≈ 210 GPa |
| Schubmodul (G) | ≈ 81 GPa |
| Längenausdehnungskoeffizient | ≈ 11,2 × 10⁻⁶/K |
Typische Dichte und hohe elastische Kennwerte ergeben bei gleichem Querschnitt eine gute Steifigkeit - nützlich bei der Auslegung von Wellen und von Bauteilen unter Biege- und Torsionsbeanspruchung.
4.2Thermische Eigenschaften und Wärmeausdehnung
Der Längenausdehnungskoeffizient (≈ 11,2 × 10⁻⁶/K) ist der Schlüsselwert für die Berechnung der Toleranzen an Bauteilen, die Temperaturwechseln ausgesetzt sind. Die Wärmeleitfähigkeit legierter Ni-Cr-Mo-Stähle liegt in der Regel unter der von Kohlenstoffstählen. Daraus ergeben sich längere Durchwärmzeiten beim Aufheizen - ein Punkt, der bei der Behandlung von Teilen mit großen Querschnitten zu beachten ist, um Temperaturgradienten und Spannungen zu vermeiden. Die Maßhaltigkeit nach dem Vergüten begünstigt die Wiederholgenauigkeit bei Serienteilen.
4.3Elektrische und magnetische Eigenschaften
39NiCrMo3 ist ein ferromagnetischer Stahl; für seine üblichen mechanischen Einsätze sind die elektrischen und magnetischen Eigenschaften kein Auswahlkriterium, und die EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) schreibt sie nicht vor. Nickel, Chrom und Molybdän verändern den spezifischen Widerstand gegenüber einfachen Kohlenstoffstählen; für bestimmte elektromechanische Anwendungen sind jedoch vom Lieferanten bescheinigte Daten zugrunde zu legen und keine allgemeinen Literaturwerte.
05Wärmebehandlungen des 39NiCrMo3
5.1Die Wärmebehandlungen im Überblick
Die Wärmebehandlungen des 39NiCrMo3 nach EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) umfassen Normalglühen, Weichglühen und - als Behandlung für den Betriebszustand - das Vergüten, also Härten mit anschließendem Anlassen. Wie die Zyklen geführt werden und vor allem welche Anlasstemperatur gewählt wird, bestimmt den endgültigen Kompromiss zwischen Festigkeit und Zähigkeit und ist die Voraussetzung dafür, die Anlassversprödung zu vermeiden, für die diese Sorte anfällig ist.
5.2Kritische Temperaturen und Vergüten
Richtwerte für die Umwandlungspunkte: Ac1 ≈ 740 °C, Ac3 ≈ 790 °C, Ms ≈ 330 °C, Mf ≈ 110 °C (die Werte reagieren auf die tatsächliche Zusammensetzung der Charge). Das Vergüten umfasst:
- Austenitisieren und Härten: ≈ 840-850 °C. Das übliche Abschreckmittel für diesen legierten Stahl ist Öl oder Polymer. Das Abschrecken in Wasser (≈ 840 °C) ist zwar in einigen Herstellerdatenblättern zugelassen, erhöht aber das Risiko von Härterissen und Verzug, auch wegen der bekannten Empfindlichkeit des 39NiCrMo3 gegen Flockenrisse (white spots). Für dünne Querschnitte ist es daher im Einzelfall zu bewerten und nicht als Regelfall vorauszusetzen.
- Anlassen: 550-650 °C, mit ausreichender Haltezeit und kontrolliertem Abkühlen über den Bereich der Anlassversprödung hinaus; die Temperatur wird nach der angestrebten Festigkeit/Zähigkeit gewählt.
Die folgende Tabelle zeigt den typischen Verlauf der Eigenschaften in Abhängigkeit von der Anlasstemperatur, an einer Probe Ø 10 mm, bei 850 °C in Öl gehärtet. Dabei handelt es sich um Richtwerte aus Herstellerdatenblättern; sie ersetzen nicht die +QT-Anforderungen der Tabelle in §3.1, die sich auf den tatsächlichen Querschnitt des Erzeugnisses beziehen.
| Anlasstemperatur °C | 100 | 150 | 200 | 250 | 300 | 350 | 400 | 450 | 500 | 550 | 600 | 650 | 700 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Rm (MPa) | 2160 | 2070 | 1950 | 1820 | 1700 | 1580 | 1500 | 1430 | 1340 | 1220 | 1100 | 950 | 800 |
| Rp0,2 (MPa) | 1440 | 1520 | 1540 | 1520 | 1490 | 1440 | 1370 | 1290 | 1220 | 1110 | 980 | 830 | 670 |
| HB | 577 | 560 | 525 | 496 | 468 | 442 | 426 | 409 | 390 | 362 | 336 | 286 | 240 |
| HRC | 56 | 55 | 53 | 51 | 49 | 47 | 45,5 | 44 | 42 | 39 | 36 | 30 | 22,5 |
| A% | 8,0 | 9,8 | 10,4 | 10,6 | 10,7 | 10,8 | 11,0 | 11,5 | 12,5 | 13,8 | 16,0 | 19,0 | 22,0 |
| Z% | 30 | 42 | 48 | 52 | 53 | 53 | 54 | 55 | 56 | 57 | 60 | 63 | 68 |
| KV (J) | 28 | 31 | 32 | 28 | 28 | 27 | 27 | 28 | 36 | 46 | 86 | 114 | 128 |
Das Minimum der Kerbschlagarbeit im Bereich ≈ 250-450 °C und ihr Wiederanstieg oberhalb von 500 °C sind Ausdruck der Anlassversprödung. Für hohe Zähigkeit liegt das Anlassen deshalb bei hoher Temperatur, mit raschem Abkühlen durch den kritischen Bereich.
5.3Normalglühen und Weichglühen
Das Normalglühen erfolgt bei ≈ 860 °C mit Abkühlung an Luft; es verfeinert das Korn und vereinheitlicht das Gefüge vor der Bearbeitung oder als Vorbehandlung zum Vergüten. Beim Weichglühen (soft annealing) wird langsam im Ofen abgekühlt, um die Härte vor der Bearbeitung auf der Werkzeugmaschine zu senken; die erreichte Härte bleibt dabei unter dem von der Norm vorgeschriebenen Höchstwert von etwa 248 HB. Welcher Ausgangszustand gewählt wird, wirkt sich auf Dauer und Güte der spanenden Bearbeitung aus.
5.4Härtbarkeit (Jominy) und Schweißen
Die EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) schreibt für die Variante +H ein Streuband der Jominy-Härtbarkeit vor (Korngröße ≥ 5). In 1,5 mm Abstand von der abgeschreckten Stirnfläche liegt die Härte zwischen 52 und 60 HRC, in 30 mm Abstand zwischen 34 und 51 HRC. Dass die Härte noch in erheblichem Abstand von der Stirnfläche hoch bleibt, bestätigt die Fähigkeit, im Kern mittlerer bis großer Querschnitte überwiegend martensitische Gefüge zu erreichen - innerhalb der Grenzen, die der Legierungsgehalt setzt.
Die Schweißeignung ist eingeschränkt: Das Kohlenstoffäquivalent ist hoch. Wo sich das Schweißen nicht vermeiden lässt, wird vorgewärmt (in der Größenordnung von 300 °C) und nach dem Schweißen spannungsarmgeglüht (bei etwa 550 °C). Beides ist in einer eigenen Schweißanweisung (WPS) nach Dicke und Wärmeeinbringen festzulegen, um das Risiko wasserstoffinduzierter Kaltrisse zu begrenzen. Da der Stahl im vergüteten Zustand eingesetzt wird, ist das Schweißen nicht der typische Betriebsfall und qualifiziertem Personal zu übertragen.
06Anwendungen des 39NiCrMo3
39NiCrMo3 wird im vergüteten Zustand für schwing- und torsionsbeanspruchte Bauteile eingesetzt. Gefragt ist er dort, wo mittlere Querschnitte Festigkeit und Zähigkeit zugleich verlangen und die Durchhärtung dabei ausreichend gleichmäßig ausfallen muss.
6.1Automotive und Antriebstechnik
In der Antriebstechnik dient der 39NiCrMo3 für Antriebswellen, Kurbelwellen, Achswellen, Nockenwellen, Zahnräder und Pleuel - Bauteile, die dynamisch und über viele Lastspiele beansprucht werden und bei denen die Verbindung von Festigkeit und Zähigkeit nach dem Vergüten die entscheidende Anforderung ist. Die Härtbarkeit sorgt auch bei Querschnitten in der Größenordnung von hundert Millimetern für gleichmäßige Eigenschaften.
6.2Maschinenbau und Werkzeugmaschinen
Im allgemeinen und im schweren Maschinenbau dient die Sorte für Spindeln, Wellen für Pressen, Bolzen, Zuganker und Bauteile, die unter schweren Bedingungen auf Biegung, Torsion und Zug beansprucht werden. Auch im Erdbau und bei Baumaschinen findet sie Verwendung, für Achsen und tragende Teile, die hohe Lasten aufnehmen und dabei maßhaltig bleiben müssen. Die Zerspanbarkeit ist ausreichend und lässt sich mit den Varianten mit kontrolliertem Schwefelgehalt oder mit Blei weiter verbessern.
6.3Oil & Gas und Energie
Im Bereich Oil & Gas dient der 39NiCrMo3 für Halterungen, Gestelle von Ausrüstungen und mechanische Bauteile von Bohr- und Fördergeräten. In der Energiewirtschaft wird er für Antriebselemente und mechanische Teile unter zyklischer Last eingesetzt. In diesen Bereichen ist die endgültige Wahl der Sorte immer gegen die konkreten Betriebsanforderungen (Temperatur, Umgebung, Kritikalität) zu prüfen, die höher legierte Sorten verlangen können.
6.4Anwendungsgrenzen und alternative Sorten
Die Härtbarkeit des 39NiCrMo3 liegt unter der höher legierter Ni-Cr-Mo-Sorten: bei sehr großen Querschnitten oder bei hohen Festigkeitsanforderungen im Kern kann sie nicht ausreichen. Hinzu kommen die Empfindlichkeit gegen Anlassversprödung und gegen Flockenrisse sowie die eingeschränkte Schweißeignung. Für Anwendungen mit höherer Verantwortung - große Querschnitte, tragende Anforderungen in der Luft- und Raumfahrt oder in der Wehrtechnik - greift man in der Regel zu Sorten wie 34CrNiMo6 oder 36NiCrMo16 (eine Klasse in der Nähe von AISI 4340/300M). Den 39NiCrMo3 in solchen Bereichen ohne eine bauteilbezogene Qualifikation vorzuschreiben, ist nicht korrekt.
07Häufige Fragen zum 39NiCrMo3
7.1Welche Werkstoffe entsprechen dem 39NiCrMo3?
Werkstoffnummer 1.6510. Unter derselben Bezeichnung steht der Stahl in der historischen italienischen Norm UNI 7845 (39NiCrMo3) und in NF A35-552 (Frankreich). Eine orientierende Entsprechung, keine Identität: AISI/SAE ~9840 (USA), angenähert wegen der Abweichungen in der Zusammensetzung. Die Gleichsetzung mit BS 970 817M40 (UK) und JIS SNCM439 ist zu vermeiden: beide haben einen deutlich höheren Nickelgehalt, nahe AISI 4340, und entsprechen dem 39NiCrMo3 nicht.
7.2Wie wirken sich die Abmessungen auf die mechanischen Eigenschaften aus?
Die +QT-Eigenschaften nehmen mit steigendem Querschnitt ab: von Rm 980-1180 MPa bei Rp0,2 ≥ 785 MPa für d ≤ 16 mm bis Rm 740-880 MPa bei Rp0,2 ≥ 540 MPa für 160 < d ≤ 250 mm, wobei die Bruchdehnung ≥ 11-13 % bleibt (siehe Tabelle in §3.1). Die Eigenschaften sind immer auf den Abmessungsbereich des Halbzeugs zu beziehen.
7.3Lässt sich Stahl 39NiCrMo3 schweißen?
Die Schweißeignung ist eingeschränkt. Wo sich das Schweißen nicht vermeiden lässt, sind Vorwärmen und ein Spannungsarmglühen nach dem Schweißen erforderlich, beides nach einer qualifizierten Schweißanweisung, um wasserstoffinduzierte Kaltrisse zu verhindern. Der typische Betriebsfall der Sorte ist das nicht: Sie arbeitet im vergüteten Zustand.
7.4Welche Wärmebehandlung erhält der 39NiCrMo3?
Die Wärmebehandlung für den Betriebszustand ist das Vergüten: Härten bei ≈ 840-850 °C in Öl oder Polymer, gefolgt vom Anlassen bei 550-650 °C, das auf den geforderten Kompromiss zwischen Festigkeit und Zähigkeit abgestimmt wird. Das Abschrecken in Wasser ist zulässig, birgt aber ein höheres Risiko für Härterisse und Verzug.
7.539NiCrMo3 oder C45: Wo liegen die Unterschiede?
C45 ist ein unlegierter Vergütungsstahl (EN ISO 683-1:2018 (früher EN 10083-2)) mit mäßiger Härtbarkeit: bei dicken Querschnitten fallen die Eigenschaften schnell ab. Der legierte 39NiCrMo3 hält Festigkeit und Zähigkeit mit steigendem Durchmesser gleichmäßiger, kostet dafür aber mehr. Der Vergleich in Zahlen ist bei gleichem Abmessungsbereich und gleichem Lieferzustand zu ziehen.
7.639NiCrMo3 oder 42CrMo4: Welcher Stahl passt?
Beide sind legierte Vergütungsstähle (EN 10083-3:2006 (zurückgezogen)). Der 42CrMo4 (Cr-Mo, Nr. 1.7225) bietet bei Querschnitten bis etwa 40 mm in der Regel die höhere Festigkeit; der 39NiCrMo3 (Ni-Cr-Mo) hält Streckgrenze und Kerbschlagarbeit im Kern bei größeren Querschnitten auf höherem Niveau und stellt dank des Nickels die Zähigkeit voran. Die Wahl richtet sich nach Querschnitt, den Anforderungen an Festigkeit und Zähigkeit sowie der Verfügbarkeit: für hohe Festigkeit bei begrenzten Querschnitten tendiert man zum 42CrMo4, für Festigkeit im Kern großer Querschnitte und für dynamische Lasten zum 39NiCrMo3.
7.7Welche Maßtoleranzen gelten?
Nennmaße und Formtoleranzen sind bei der Bestellung nach EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) zu vereinbaren. Für Blankstahlerzeugnisse (kaltgezogen, geschält) gelten die Toleranzen der EN 10277-5:2008 (zurückgezogen). Für die spanende Bearbeitung gelten in der Regel die Allgemeintoleranzen nach ISO 2768-1 (fein „f“ oder mittel „m“), für Schmiedeteile die EN 10243-1. Welche Klasse gewählt wird, richtet sich nach den funktionalen Anforderungen an das Bauteil und nach dem Verhältnis von Kosten und Leistung.
08Lieferung 39NiCrMo3: Lieferzustände, Prüfbescheinigungen und Normen
8.1Lieferzustände und Prüfbescheinigung
Siderticino liefert den 39NiCrMo3 in den Lieferzuständen normalgeglüht (+N), geglüht (+A) und vergütet (+QT), als Rund-, Vierkant- und Flachstahl sowie als Schmiedeteile. Jede Lieferung wird von der Werksbescheinigung EN 10204 2.1 begleitet oder, auf Anfrage, vom Abnahmeprüfzeugnis 3.1, mit Rückverfolgbarkeit von chemischer Zusammensetzung und mechanischen Eigenschaften. Die Wahl des Lieferzustands optimiert die Bearbeitungszeiten beim Kunden: +A für die Zerspanbarkeit, +QT für unmittelbar verfügbare mechanische Eigenschaften, +N als Zwischenzustand oder Vorbehandlung.
8.2Bezugsnormen und technische Beratung
Bezugsnormen: EN 10083-3:2006 (zurückgezogen) (legierte Vergütungsstähle, warmgewalzte Erzeugnisse) und EN 10277-5:2008 (zurückgezogen) (Blankstahlerzeugnisse); Prüfbescheinigungen nach EN 10204. Über die Materiallieferung hinaus bietet Siderticino die zugehörigen Leistungen: Stahlzuschnitt nach Maß für Stabstahl aus 39NiCrMo3 sowie Unterstützung bei der Festlegung von Lieferzustand, Vergütungsparametern und Oberflächen. Für die Vorauslegung der Halbzeuge steht das Werkzeug Stabgewicht berechnen bereit.
8.3Normungsstand der Sorte
Der 39NiCrMo3 ist in keiner gültigen Produktnorm nach EN oder ISO mehr enthalten. Die EN ISO 683-2:2018, die die EN 10083-3:2006 ersetzt hat, hat ihn ausdrücklich aus der Liste der Stahlsorten gestrichen; dasselbe hat die EN 10277:2018 für den Blankstahl getan. Bezeichnung 39NiCrMo3 und Werkstoffnummer 1.6510 bleiben nach EN 10027 gültig, der Stahl wird weiterhin regulär erzeugt und geliefert, und die auf dieser Seite und im Werkstoffdatenblatt veröffentlichten Werte sind die der EN 10083-3:2006, die trotz ihrer Zurückziehung als technische Referenz herangezogen wird. Wer in einem Lastenheft eine gültige Norm nennen muss, ist darauf bei der Bestellung hinzuweisen.
Anstelle der gestrichenen Sorten hat die EN ISO 683-2:2018 den 36CrNiMo4 (1.6511) und den 41CrNiMo2 aufgenommen, die keine gleichwertigen Ersatzwerkstoffe sind: der 36CrNiMo4 hat Cr 0,90-1,20 % und Ni 0,90-1,20 % gegenüber Cr 0,60-1,00 % und Ni 0,70-1,00 % beim 39NiCrMo3, der 41CrNiMo2 noch niedrigere Legierungsgehalte (Cr 0,40-0,60 %, Ni 0,40-0,70 %). Härtbarkeit und Ansprechen auf die Wärmebehandlung stimmen nicht überein: Ein Austausch ist im Einzelfall zu prüfen und zu vereinbaren, nie vorauszusetzen.
→ Durchmesserbereich, Bearbeitungen und Angebot finden Sie auf der Produktseite: 39NiCrMo3 anfragen.
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